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Mittwoch, 10. Oktober 2012

[Rezension] Ich wünschte, ich könnte dich hassen - Lucy Christopher



Autorin: Lucy Christopher
Originaltitel: Stolen
Genre: YA, Entführung
Ausführung: Broschiert, 368 Seiten
Erscheinungsjahr: Februar 2011
Reihe: -
Preis: 14,95€
ISBN: 978-3551520081
Verlag: Carlsen





Inhalt: Du hast mich zuerst gesehen. Auf dem Flughafen, an jenem Tag im August. Dein intensiver Blick, noch nie hat mich jemand so angeschaut. Ich hab dir vertraut. Dann hast du mich entführt. Raus aus meinem Leben, weg von allem, was ich kannte. Hinein ins Nirgendwo, in Sand und Hitze und Dreck und Gefahr. Du hast geglaubt, dass ich mich in dich verliebe. Und dort im Nirgendwo, in Sand und Hitze und Dreck und Gefahr, hab ich mich in dich verliebt. Doch ich wünschte, ich könnte dich hassen. Die Geschichte einer Entführung - sensibel, verstörend, dramatisch.

Rezension: Gemma wird entführt, auf dem Flughafen Bankok, vor den Augen unendlich vieler Menschen - doch niemand scheint etwas zu bemerken. Plötzlich findet sich Gemma in einer Hütte wieder, es ist heiß und es scheint niemanden zu geben außer ihr und ihrem Entführer, mitten in der Australischen Wüste. Ihre Situation scheint aussichstlos, genauso wie ihre Fluchtversuche - ihr Entführer scheint alles genau geplant zu haben.  

Liebe Gemma,
ich kann verstehen, warum du das Buch genauso geschrieben hast, wie du es geschrieben hast - aus deiner Sicht. Am Anfang dachte ich, ich könnte einige Probleme mit diesem Schreibstil haben, was sich allerdings nach kürzester Zeit als Fehlannahme herausstellte, da sich deine Erfahrungen genauso am besten nachvollziehen lassen. Sie gehen tief unter die Haut und lassen im Kopf immer wieder die Frage nach dem "Warum" auftauchen.
Auch das es keine richtigen Kapitel gab, sondern nur kurze Pausen, hat mich nicht gestört. Im Gegenteil, denn wie genau hätte man deine Entführung denn auch in Kapitel einteilen können.

Dein Schicksal hat mich berührt und zum Nachdenken gebracht. Du hast es nicht nur geschafft, deine Seite der Entführung zu schildern, sondern auch immer versucht uns Lesern, Ty, so wie du ihn kennengelernt hast, näher zu bringen. Aus dem unbekannten Entführer wurde nach und nach ein Mensch aus Fleisch und Blut, mit Gefühlen, Ängsten und Sorgen. So haben wir Leser am Schluss des Buches die Möglichkeit, das Ende so zu wählen, wie es nach unseren Empfinden am besten passt. 

Fazit: Lucy Christopher erzählt in ihrem Buch die Geschichte einer Entführung, die Geschichte von Gemma und Ty, die sich irgendwo im Nirgendwo befinden und es plötzlich nur noch sie gibt. Eindringlich gibt uns Gemma in einem Brief an ihren Entführer einen Einblick in ihr Leben während der Entführung und schafft es, dass man das Buch am liebsten gar nicht mehr zur Seite legen möchte. Ich wünschte, ich könnte dich hassen ist ungewöhnlich geschrieben, aber wie ich finde, gerade durch den Schreibstil besonders reizvoll und absolut lesenswert.


Mittwoch, 26. September 2012

[Rezension] Die 5 Leben der Daisy West - Cat Patrick




Autorin: Cat Patrick
Originaltitel: Revived
Genre: YA, Tod, Medizin, Forschung
Ausführung: Hardcover, 304 Seiten
Erscheinungsjahr: August 2012
Reihe: -
Preis: 14,99€
ISBN: 978-3-414-82061-7
Verlag: Boje





Inhalt: Daisy ist fünfzehn – und schon mehr als ein Mal gestorben. Sie lebt waghalsig, denn sie weiß, dass es Revive gibt, ein Medikament, das ins Leben zurückhilft, wenn alle anderen Mittel versagt haben. Da diese Medizin hochgeheim ist, muss Daisy nach jedem Tod eine neue Identität annehmen und an einen anderen Ort ziehen. Bisher hat sie daher meist isoliert und ohne enge Freunde gelebt. Aber dann findet sie an ihrer neuen Schule nicht nur völlig unverhofft eine beste Freundin, sondern verliebt sich auch noch Hals über Kopf. Zum ersten Mal lässt Daisy sich wirklich auf das Leben ein ...

Rezension: Daisy ist ein Revive-Kid, Teil des sogenannten Gott-Projektes, bei denen ein neues Medikament ausprobiert wird. Mit der Einnahme des Medikaments kann man es schaffen den Tod zu überlisten und wieder zum Leben erweckt werden. Protagonistin Daisy, inzwischen 15 Jahre alt, wurde mit vier Jahren in das Programm aufgenommen und ist seit dem bereits fünf Mal gestorben.

Ihren vorerst letzten Tod erleben wir direkt zu Beginn des Buches – Daisy stirbt an einem Bienenstich. Damit niemand erfährt, dass Daisy noch lebt, zieht ihre Familie, bestehend aus zwei Agenten, die ihre Eltern spielen, sofort in einen anderen Staat um und nimmt eine neue Identität an. Aus diesem Grund hat Daisy es bisher auch vermieden Freundschaften zu knüpfen und ihre Klassenkameraden näher kennenzulernen. Doch als sie Audrey und ihren Bruder Matt kennenlernt, ändert sich alles … 

Der Plot war der Grund warum ich das Buch unbedingt lesen wollte. Ein Medikament, das den Tod überlistet war mir bisher noch nicht untergekommen und hörte sich sehr interessant an. Der Anfang des Buches konnte mich dann auch direkt mitreißen, Daisy stirbt zum fünften Mal und muss gezwungener Maßen ein neues Leben beginnen. Alles geht sehr schnell, die Ereignisse überschlagen sich. Erst während des Umzuges nach Omaha wird der Leser langsam über die Geschehnisse, Daisy, ihre Familie und das Revive-Programm aufgeklärt. 

Viel über Daisy erfahren wir zuerst nicht. Sie ist eher eine Einzelgängerin, kann sich kaum an die Zeit vor Revive erinnern und mag es zu Dekorieren. Wie auch in Cat Patricks ersten Buch Forgotten scheinen sich hin und wieder kleine Logikfehler in die Handlung einzuschleichen, was mich einige Mal stutzen lies. Trotzdem hat mich das Buch über weite Strecken sehr gut unterhalten können. Natürlich fragt man sich, wie Daisy es geschafft hat, in ihrem kurzen Leben bereits fünf Mal zu sterben und wie unvorsichtig und waghalsig sie gelebt haben muss. Erst als sie nach Omaha kommt und das erste Mal mit einer Krankheit und Verlust konfrontiert wird, beginnt sie ihr bisheriges Leben zu hinterfragen. Warum tut sie es nicht schon früher? 

Die Geschichte rund um Audrey hat mir sehr gut gefallen und dem Buch etwas Tiefe verliehen. Daisy scheint das erste Mal mit dem wirklichen Leben konfrontiert zu werden und ihrer bisherige selbstkonstruierte Welt gerät ein wenig aus den Fugen.
Schade fand ich es, dass Cat Patrick den Fokus auf Daisy als Teenager gelegt hat und sich so mehr um die Liebesgeschichte gekümmert hat, als um ihre tolle Idee rund um Revive. So gerät das Medikament in der Mitte des Buches immer mehr in Vergessenheit, sodass sich die Ereignisse am Ende des Buch zu überschlagen scheinen, als das Thema dann doch noch einmal aufgegriffen wird. Es wirkt alles sehr hastig und ein Stück weit unglaubwürdig.

Fazit: Cat Patrick hatte mit Revive eine klasse Idee. Leider hapert es hier und da an der Umsetzung. Wer aber Jugendbücher mag, die für ein etwas jüngeres Klientel geschrieben sind, über ein paar Logikfehler hinwegsehen kann und sie nicht an Liebesgeschichten stört, der kann mit die fünf Leben der Daisy West eigentlich nichts falsch machen,


Mein Dank für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars geht an

und

Montag, 10. September 2012

[Rezension] Das Schicksal ist ein mieser Verräter - John Green



Autorin: John Green
Originaltitel: The Fault In Our Stars
Genre: YA, Krebs, Tod, Sterben
Ausführung: Hardcover, 288 Seiten
Erscheinungstermin: 30. Juli 2012
Reihe:
Preis: 16,90€
ISBN: 978-3446240094
Verlag: Carl Hanser





Inhalt: „Krebsbücher sind doof“, sagt die 16-jährige Hazel, die selbst Krebs hat. Sie will auf gar keinen Fall bemitleidet werden und kann mit Selbsthilfegruppen nichts anfangen. Bis sie in einer Gruppe auf den intelligenten, gut aussehenden und umwerfend schlagfertigen Gus trifft. Der geht offensiv mit seiner Krankheit um. Hazel und Gus diskutieren Bücher, hören Musik, sehen Filme und verlieben sich ineinander - trotz ihrer Handicaps und Unerfahrenheit. Gus macht Hazels großen Traum wahr: Gemeinsam fliegen sie nach Amsterdam, um dort Peter Van Houten zu treffen, den Autor von Hazels absolutem Lieblingsbuch. Ein tiefgründiges, emotionales und zugleich freches Jugendbuch über Krankheit, Liebe und Tod.

"Das Leben ist schön, Hazel Grace." [Seite 217]

Rezension: Es gibt Bücher, die schlägt man auf und man weiß, dass man etwas ganz besonders vor sich hat. "Das Schicksal ist ein mieser Verräter" ist genau so ein Buch.

Hazel ist unheilbar an Krebs erkrankt und das schon seit Jahren. Durch ein Medikament kann sie weiterleben, gesund werden wird sie aber nie. In einer Selbsthilfegruppe für Kinder und jugendliche Krebspatienten, die sie ihren Eltern zur Liebe besucht, lernt sie die 17 Jährigen Augustus kennen. Trotz Hazels Angst noch jemanden mit ihrem Krebs zu belasten, freunden sich die beiden an und verlieben sich schließlich in einander ...

"Ich will dir niemals so was antun", erklärte ich.
"Ach, das würde mir nichts ausmachen, Hazel Grace. Es wäre mir eine Ehre, mir von dir das Herz brechen zu lassen." [Seite 162]

Krebs ist das dominierende Thema des Buches. Hazel hat Krebs seit ihrem 13. Lebensjahr und seit dem kämpft sie darum, ein so normales Leben wie möglich führen zu können. Sie lebt sehr zurückgezogen, kann die High School nicht mehr besuchen, hat nur wenige Freunde, hat immer eine Sauerstoffflasche dabei, die ihr das Atmen erleichtert und ist eigentlich rund um die Uhr mit ihrer Mutter zusammen, die für Hazel ihre Arbeit aufgegeben hat. Als sie in der Selbsthilfegruppe auf Augustus trifft, der seine Krebserkrankung scheinbar besiegt zu haben scheint, verändert sich ihr Leben. Plötzlich gibt es jemanden in ihrem Leben, mit dem Hazel alles teilen kann, jemanden der sie versteht und auch ihren Kampf gegen den Krebs begreifen kann, weil sie ein Schicksal teilen. Gus, den seine Krankheit auch gezeichnet hat, es nach außen aber nicht zeigen möchte, setzt vor allem auf seinen Charme und Humor. Er ist um kein Wort verlegen und stellt seine Bedürfnisse hinter denen der anderen an. Er ermöglicht Hazel ihren größten Traum und fliegt gemeinsam mit ihr nach Amsterdam, um den Autor ihres Lieblingsbuches zu treffen. Dieses Reise wird ihr größtes Abenteuer. 

 "Augustus", sagte ich. "Wirklich, du musst da nicht tun."
 "Natürlich muss ich", sagte er. "Ich habe meinen Wunsch gefunden." "O Mann, du bist der Beste", sagte ich zu ihm. "Ich wette das sagst du zu allen Jungs, die dir eine Auslandsreise finanzieren", antwortete er. [Seite 87]

John Green hat es mit seinem unwahrscheinlich tollen Schreibstil geschafft, die Seiten nur so an mir vorüber fliegen zu lassen und zwei unvergleichliche Charaktere zu schaffen, die aus der Masse hervorstehen. Außerdem hat er das geschafft, was nur ganz wenige Autoren bei mir schaffen. Er hat es geschafft mich zum Weinen zu bringen und das sogar mehrere Male. Den Handlungsverlauf des Buches liest sich wie eine Achterbahnfahrt der Gefühle, es ist eine immer wieder aufkeimende Mischung aus Wut und völliger Verzweiflung, Freude und Trauer, aber auch Humor und Hoffnung. Zusammen mit einzigartig gezeichneten Charakteren und einem wundervollen Schreibstil wird dieses Buch zu einem ganz besonderen Leseerlebnis. 

 "Mir gefällt diese Welt. Mir gefällt, wie die Schatten der Bäume umeinandertanzen, wenn der Wind weht. Mir gefällt, wie es klingt, wenn Holländer Holländisch mit mir reden, bevor sie merken, dass ich ein Tourist bin. Und du gefällst mir. Um jetzt ... ich bekomme nicht mal einen richtigen Kampf. Ich darf nicht mal kämpfen." [Seite 198]

Fazit: Auch jetzt, als ich diese Rezension schreibe, und ich schreibe sie einige Wochen nach dem Lesen des Buches, bin ich noch immer unheimlich ergriffen von der Stimmung des Buches, von den Charakteren und der perfekten Mischung zwischen Humor und Ernsthaftigkeit. Hazel und Gus sind mir ans Herz gewachsen und ich hätte sie am liebsten nicht wieder gehen lassen. Ich könnte jetzt alles schreiben, doch eigentlich will ich nur sagen - lest dieses Buch! Es ist eine absolute Leseempfehlung von mir. 

"Vielleicht ist okay unser für immer."
"Okay", sagte ich. [Seite 71]

Mein Dank für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars 
für die Leserunde auf lovelybooks.de geht an

Bitte verzeiht mir, dass ich die Rezension mit so vielen Zitaten verpackt habe, 
ich möchte damit einen kleinen Vorgeschmack auf das Buch geben. Außerdem sind die Zitate so unglaublich toll. 

Sonntag, 26. August 2012

[Rezension] Au revoir , bis nach dem Krieg - Gudrun Pausewang



Autorin: Gudrun Pausewang
Genre: YA, 2. Weltkrieg
Ausführung: Hardcover, 224 Seiten
Erscheinungsjahr: 2012
Reihe: -
Preis: 14,95€
ISBN: 978-3836954440
Verlag: Gerstenberg Verlag







Inhalt: Hanni liebt Philippe und Philippe liebt Hanni. Aber niemand darf davon erfahren, denn es herrscht Krieg und Philippe ist ein französischer Kriegsgefangener, der auf dem Anwesen von Hannis Familie arbeitet. Wenn die Liebe zwischen Hanni und dem jungen Studenten aus Paris bekannt würde, könnte das schlimme Folgen haben - nicht nur für die beiden. Jegliche »Fraternisierung« mit den Gefangenen ist untersagt und Liebesbeziehungen zwischen Franzosen und deutschen Frauen werden streng bestraft. Schließlich wäre das Verrat an den deutschen Männern, die an der Front ihr Leben für Volk und Vaterland einsetzen.

Hanni und Philippe müssen sich trennen, zumindest vorläufig. Aber sie werden einander wiedersehen, wenn der Krieg zu Ende ist - bestimmt! via

Rezension: Ein kleines Dorf während des zweiten Weltkriegs in Deutschland. Hanni, 15 Jahre, ist alleine mit ihrem kleinen Bruder, Mutter und Oma - Vater und größerer Bruder sind in den Krieg gezogen. Um den Frauen bei der Arbeit zu helfen auf dem großen Hof zu helfen, werden französische Kriegsgefangene tagsüber zur Unterstützung zu den vaterlosen Familien geschickt. Auf diese Weise begegnet Hanni Phillippe, der ihrer Familie als Hilfsarbeiter zugeteilt wird, das erste Mal.

Während sich verbotener Weise eine zarte Liebe zwischen Hanni und Philiippe entwickelt, schreitet der Krieg immer weiter voran. Und es wird immer gefährlicher für die beiden. Während viele Bücher die in der Zeit des zweiten Weltkriegs spielen, die Judenverfolgung thematisieren, legt Gudrun Pausewang den Fokus in ihrem Buch auf die Veränderungen der Familie, die der Krieg unmittelbar mit sich bringt. Zuerst verlassen die Väter ihre Familien, dann die Söhne, Familienbetrieben müssen geschlossen werden - Kinder verlieren ihre Väter und Mütter ihre Söhne und Ehemänner, niemand kann sich sicher sein, ob er jemals wieder lebend nach Hause kommt.

So gut mir die neue Perspektive auf das Famillienleben auf dem Land gefallen hat und so facettenreich die verschiedenen Charaktere und Positionen zum Krieg beschrieben wurde, konnte ich trotzdem keine richtige Verbindung zu Hanni und ihrer Familie aufbauen. Alles wirkte ein wenig distanziert auf mich, was unter anderem auch am mehr beschreibenden und weniger emotionalen Schreibstil der Autorin gelegen haben könnte.

Fazit: Au revoir, bis nach dem Krieg verschafft uns einen Einblick in das Leben der Familien, die während des zweiten Weltkriegs auf dem Land lebten, sowie über das Zusammenleben mit Kriegsgefangenen. Es zeigt  wie nah der große Jubel und die große Angst vor dem Krieg zusammenlangen. Leider blieben die Protagonisten an vielen Stellen etwas zu farblos und eindimensional. Trotzdem habe ich das Buch gerne gelesen und empfehle es jedem, der mehr über die Seiten des zweiten Weltkrieges erfahren möchte, die in Büchern noch nicht all zu häufig besprochen wurden.


Freitag, 27. Juli 2012

[Rezension] Julia für immer - Stacey Jay


Autorin: Stacey Jay
Originaltitel: Juliet immortal
Genre: YA, Liebe, Romeo und Julia
Ausführung: Hardcover, 345 Seiten
Erscheinungsjahr: 2012
Reihe: 1. Teil - Julia (2. Teil - Romeo)
Preis: 17,99€
ISBN: 978-3863960216
Verlag: EGMONT INK





Inhalt: Romeo und Julia sind nicht im Namen der Liebe gestorben. Nein, Romeo hat Julia ermordet, um selbst Unsterblichkeit zu erlangen. Doch auch Julia ist in Wahrheit nicht tot. Seit 700 Jahren sind beide in einer Mission unterwegs: Romeo verhindert, dass Paare sich finden, Julia dagegen spürt jene Menschen auf, die für eine ewige Liebe bestimmt sind. Als sie glaubt, ihren eigenen wahren Seelenverwandten gefunden zu haben, passiert es: Zum ersten Mal trifft sie Romeo selbst, der zum Feind wurde und nun alles daransetzt, ihr Glück zu zerstören … via

Rezension: Ein Buch über Romeo und Julia, die sich bekriegen statt lieben und das über Jahrhunderte hindurch, das klang in meinen Ohren super interessant. Ich weiß nicht, was genau ich erwartet hatte, aber das  was ich geliefert bekommen habe, war es nicht. 

Julia, die vor über 700 Jahren in der Nacht nach ihrer Hochzeit mit Romeo starb, ist nicht wirklich tot. Seit ihrem Tod kommt sie ungefähr alle 50 Jahre aus dem Licht, um die wahren Liebenden auf der Erde zu vereinen. Dieses Mal ist alles ein wenig anders. Julia wird bereits 10 Jahre nach ihrem letzten Einsatz zurück auf die Erde geschickt, in den Körper der jungen Ariel. Ariel ist ein eher schüchternes, zurückgezogenes Mädchen, die seit ihrer Kindheit mit einer großen Verbrennung einer ihrer Gesichtshälften lebt. Als Ariel hat Julia nun die Aufgabe in kurzer Zeit die wahren Liebende zu finden und sie dazu zu bringen, sich in einander zu verlieben. 

Kommen wir nun zum ersten großen Problem. Im Gegensatz zu Ariel ist Julia alles andere als schüchtern und stellt innerhalb von 24 Stunden Ariels gesamtes Leben auf den Kopf. So geht sie z.B. an ihrem ersten Tag als Ariel ohne sich geschminkt zu haben aus dem Haus, etwas das Ariel niemals tun wurde, da so ihre Verbrennungen noch stärker zu sehen sind. Solche Situationen ziehen sich durch das ganze Buch - es passt einfach hinten und vorne nicht. 

Julia hat mich die meiste Zeit des Buches tierisch genervt. Eigentlich soll die Gute über 700 Jahre alt sein und man könnte doch annehmen, dass sie während dieser Zeit ein wenig reifer geworden ist und ihr reflektierendes Handeln zutrauen. Aber nein, Julia bekommt ihren neuen Auftrag und verliebt sich Knall auf Fall in den erst besten Jungen, der ihr über den Weg läuft und dann ist dieser Junge auch noch einer der wahren Liebenden, den sie eigentlich mit der passenden Partnerin verkuppeln soll. Und damit fängt das Drama erst an und es kommt zu einer Menge rasanten Handlungen. 
Denkt Julia einmal nicht an ihre neue große Liebe, denkt sie an Romeo. Besonders gerne philosophiert sie darüber, wie sehr sie ihn hasst und das sie ihn eigentlich am liebsten umbringen würde. Ihre eigentliche Aufgabe verliert sie dabei mehr und mehr aus den Augen.

Romeo hingegen gefiel mir eigentlich ganz gut, auch wenn es nur zwei kurze Abschnitte im Buch gibt, die aus seiner Sicht geschrieben sind. Leider waren dieses für mich viel zu kurz, sodass er ein recht oberflächlicher Charakter bleibt. Trotzdem hat er durch sein Verhalten meine Aufmerksamkeit auf sich gezogen und ist durch seine durch und durch böses Wesen positiv aufgefallen. 

Das Ende des Buches hat für mich dem Ganzen noch die Krone aufgesetzt - ein für mich typisch kitschiges, amerikanisches Ende, das aber genau zu Julia gepasst hat. Ich hätte mir wirklich kein anderes Ende für die Dame vorstellen können. Natürlich werden hier auch einige offene Handlungsstränge zusammengefügt, aber die Botschafter des Lichts sind doch ein großes Rätsel für mich geblieben, was zum größten Teil daran lag, dass nur wenig erklärt oder Hintergründe näher beleuchtet wurden. 

Fazit: Ich kann verstehen, warum Julia für immer viele gute Bewertungen bekommen hat. Es hat schon ein wenig was von dem typischen Kleinmädchentraum von Liebe auf den ersten Blick und alles was dazu gehört zu tun. Für mich war Julia für immer das bisher schlechteste Buch des Jahres. Julia und ich sind einfach keine Freunde geworden und das ist auch in Ordnung so. Trotzdem finde ich es schade um die schöne Idee von Stacey Jay, die ich wirklich gelungen fand. Aber manchmal reicht eine gute Idee nicht aus, denn erst die passende Umsetzung dieser, macht schließlich ein gutes Buch aus.


Mein Dank für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars geht an

Samstag, 21. Juli 2012

[Rezension] Fast genial - Benedict Wells


Autor: Benedict Wells
Genre: Erwachsenwerden, Zeitgenössisch, Road Movie, Vatersuche
Ausführung: Hardcover, 336 Seiten
Erscheinungsjahr: 2011
Reihe: -
Preis: 19,90€
ISBN: 978-3257067897
Verlag: Diogenes






Inhalt: Die unglaubliche, aber wahre Geschichte über einen mittellosen Jungen aus dem Trailerpark, der eines Tages erfährt, dass sein ihm unbekannter Vater ein Genie ist, und sich auf die Suche nach ihm macht – das Abenteuer seines Lebens.

"Francis hatte nicht schnell genug in den Westen kommen können, doch jetzt war er insgeheim froh über jede Pause auf dem Weg zu seinem Vater. Was, wenn er ihm nicht genügte, wenn er abgelehnt wurde? Am liebsten wäre er einfach nur sein ganzes Leben lang unterwegs zu ihm gewesen, ohne jemals anzukommen." [Seite 202]
Rezension: Eigentlich hat Francis bereits mit seinem Leben abgeschlossen. Nachdem seine Mutter von ihrem Freund verlassen wurde,  musste die beiden in einen Trailerpark am Stadtrand ziehen und wohnen nun am Rand der Gesellschaft. Doch als seine Mutter wieder einmal wegen ihrer Depressionen in eine Klinik eingewiesen wird und sich anschließen versucht umzubringen, ändert sich Francis Leben. Seine Mutter schreibt ihm einen Abschiedsbrief, indem sie ihm verrät, dass sein Vater keines ihrer vielen One-Night-Stands gewesen ist, sondern er das Resultat eines einzigartigen Projektes sei - der Samenbank der Genies. Plötzlich hat Francis wieder eine Lebensperspektive - er will seinen Vater finden!

Gemeinsam mit seinem besten Freund Grover und seiner Bekannten Anne-May, die er in der Klinik seiner Mutter kennengelernt hat,  macht sich von Francis auf eine Reise durch Amerika um seinen Vater zu finden. Auf ihrer Reise erleben die Drei eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Während Francis von der Idee ein Genie als Vater zu haben begeistert ist und ihn der Gedanke auch ein Genie sein zu können fasziniert, denn nun scheint der mögliche Schulabschluss und das damit verbundene Studium nicht mehr in all zu weiter Ferne zu sein, von dem er dann später eine eigene Familie ernähren könnte, beginnt der schüchterne Grover hinter seiner aufgebauten Fassade hervor zu kommen und über seinen Schatten zu springen. Und auch Anne-May, die sich vor ihrem Klinikaufenthalt versucht hat das Leben zu nehmen, muss sich während der Reise vermehrt  mit ihrer Vergangenheit auseinandersetzen und beginnt sich Francis zu öffnen. 

Alle drei Charaktere sind ein wenig skurril, die mit viel Humor aber auch der nötigen Portion Ernsthaftigkeit mit ihrer Lebenssituation umgehen. Das kenne ich schon aus dem letzten Buch, das ich von Benedict Wells gelesen habe. Das ist ein Teil seines Stils und der gefällt mir gut. Die ganze Geschichte spinnt sich um den Titel und auch wenn ich nach einiger Zeit meinte zu wissen, worauf dieses Buch hinaus will, so hat mich der Weg dort hin überzeugt. Ich will nicht sagen, dass das Buch vorhersehbar ist, nein, es ist auch keines dieser Bücher, das ein Happy-End braucht um den Leser zu befriedigen. Das Ende dieses Buches ist schon sehr besonders und das mag einigen Lesern nicht gefallen. Mir persönlich gefällt es aber, wenn der Leser nach dem Beenden eines Buches noch weiterdenken muss, wie es in diesem Fall ist. Es gibt einfach Bücher, denen ein offenes Ende unheimlich gut steht und Fast genial ist für mich eines dieser Bücher. 
"Mal hatte man Glück, lebte in einem reichen Land oder war mit Gesundheit und Intelligenz gesegnet, mal hatte man Pech und war leider dumm, bekam Krebs oder kam in einem Slum von Afrika auf die Welt und starb, ehe man das Wort "sterben" überhaut buchstabieren lernte. [...] Es war alles willkürlich und wahnsinnig, wieso also nicht gleich nach Las Vegas fahren und dort um Leben und Tod spielen. Da setze man sich der Ungerechtigkeit wenigstens freiwillig aus, im Grunde war das der ehrlichste Ort auf dieser Erde.“ [Seite 317-318]
Fazit: Fast genial von Benedict Wells ist so wie der Titel es sagt, eben fast genial! Wer Bücher mit besonderen Charakteren mag, die sich gemeinsam auf eine Reise begeben und daran wachsen, für den ist dieses Buch genau das Richtige. Es ist aber auch ein Buch über das Schicksal und der Frage, ob eben dieses vererbbar ist oder ob man seinem Schicksal entgehen kann und es schafft seinen eigenen selbstbestimmten Weg zu gehen. Genial zu sein könnte eben so ein Ausweg sein, findet Francis. Aber muss man immer genial sein um seinen eigenen Weg zu finden?


Donnerstag, 21. Juni 2012

[Rezension] Leihst du mir deinen Blick? Eine Freundschaft zwischen Jerusalem und Gaza - Valérie Zenatti


Autorin: Valérie Zenatti
Originaltitel: Une bouteille dans la mer de Gaza
Genre: YA, Nahostkonflikt
Ausführung: Taschenbuch, 192 Seiten
Erscheinungsjahr: 2005
Reihe: -
Preis: 6,95€
ISBN: 978-3-423-78223-4
Verlag: dtv




Inhalt: Tal ist 17, sie lebt im jüdischen Teil Jerusalems. Selbstmordanschläge gehören in dieser Stadt zum traurigen Alltag. Und doch ist Tal zutiefst erschüttert, als eine Bombe in einem Café ganz in der Nähe ihres Hauses explodiert. Warum nur findet der Hass zwischen Israel und Palästina kein Ende? Obwohl sie weiß, dass es sinnlos ist, schreibt sie einen langen Brief, über sich, ihre Hoffnungen und Träume - und steckt ihn in eine Flasche. Ihr Bruder, der im Gazastreifen stationiert ist, soll die Flaschenpost dort ins Meer werfen. Nach langem Warten bekommt sie endlich eine E-Mail: vom zwanzigjährigen »Gazaman«, der im Gazastreifen lebt.


"Wir wurden dort geboren, wo die Erde brennt, wo die Jungen sich früh alt fühlen, wo es fast an ein Wunder grenzt, wenn man eines natürlichen Todes stirbt. Ich möchte nur mit aller Kraft daran glaube, wenn er und ich es fertigbrächten, wirklich miteinander zu reden, dies der Beweis dafür wäre, dass unsere beiden Völker nicht dazu verurteilt sind, für immer und ewig in tödlichem Hass zu verharren, ohne Möglichkeit auf Begnadigung vor Ende der lebenslangen Haftstrafe." [Seite 81-82]
Rezension: Warum habe ich dieses Buch nur so lange auf meinem Sub versauern lassen? "Leihst du mir deinen Blick?" ist eine Perle, die bei mir ganz ganze viele Erinnerungen wach gerüttelt hat. Die Geschichte spielt 2003, die 17 Jährige Tal aus Jerusalem möchte nicht mehr so weiter leben wie bisher, in einer von Hass auf die Pälastinenser geprägten Gesellschaft. Sie fasst Mut und beschließt ihrem Bruder, der als Soldat im Gazastreifen stationiert ist, eine Flaschenpost mitzugeben, die er dort ins Meer werfen soll. Tal erhofft sich so, eine Brieffreundschaft mit einem palästinensischen Mädchen in ihrem Alter aufzubauen zu können - doch es kommt ganz anders.

Die Idee des Buches finde ich klasse. Mir sind bisher noch nicht viele Bücher über den Weg gelaufen, die den Nahostkonflikt thematisieren und es schaffen ihn für Jugendliche begreifbar zu machen. In den Medien wird häufig der Eindruck vermittelt, dass es in Israel und Umgebung sehr gefährlich sei und man dieses Land unter keinen Umständen besuchen sollte. Ich selber war vor einigen Jahr dort und kann sagen, dass Israel ein wunderschönes Land mit wundervollen Menschen ist und deshalb jeden Besuch wert ist! 

Die Geschichte wird aus den Perspektiven der Jugendlichen Tal und Naim geschrieben. Geschickt verknüpft werden diese durch die Emails, die sich die beiden schreiben. Aus ihrer Sicht schafft es die Autorin, den Nahostkonflikt für Jugendliche einfach und bildlich zu erklären, ohne dabei einen der beiden Standpunkte der Israelis oder Palästinenser einzunehmen. Besonders gefallen dabei hat mir, dass nichts beschönigt aber auch nichts radikaler dargestellt wird, als es ist. Durch die Emails erhält der Leser einen guten Einblick in die Lebensumständen von Tal und Naim, wir erfahren z.B. das es im Gazastreifen zeitweise keinen Strom gibt, weil die Hamas ihn abstellen lässt oder das jeder junge Israeli, egal ob Junge oder Mädchen mit 18 Jahren zur Armee gehen muss.
„Wenn ich viel nachdenke, steigt eine unglaubliche Wut in mir hoch. Aber trotzdem kann ich nicht aufhören zu denken. Mein Kopf ist der einzige Ort, zu dem niemand Zutritt hat; kein Soldat der Israelischen Armee, kein Typ von der Hamas, weder mein Vater noch meine Mutter. Mein Kopf ist mein Zuhause, mein eigenes Zuhause, viel zu klein für alles, was ich dort unterzubringen habe, deshalb habe ich auch angefangen zu schreiben, … “ [Seite 45-46]
Auch wenn das Buch nur knapp 200 Seiten lang ist und es für mich noch viel länger hätte sein können, ist zwischen den Seiten alles verpackt, um eine gute Geschichte entstehen zu lassen. Eine Geschichte von zwei Jugendlichen, die die Hoffnung noch nicht aufgegeben haben und für ihre Freiheit und Träume kämpfen wollen. 

Fazit: Lest dieses Buch, wenn ihr euch für das Leben Jugendlicher zur Zeiten des Nahostkonfliktes in Israel und im Gazastreifen interessiert oder ihr einfach mehr zu diesem Thema erfahren wollt. Die Autorin selbst ist mit 13 Jahren nach Israel gezogen und hat dort auch ihren Militärdienst abgeleistet. Für mich ist dieses Buch eine kleine Perle, das mich zum Nachdenken angeregt hat und vor Augen führt, wohin Hass führen kann. 


Mittwoch, 6. Juni 2012

[Rezension] Das Lied von Eis und Feuer: Die Herren von Winterfell - George R. R. Martin




Autor: George R. R. Martin
Originaltitel: A game of thrones
Genre: High Fantasy
Ausführung: Klappenbroschur, 571 Seiten
Erscheinungsjahr: 1996 (Neuauflage Dezember 2010)
Reihe: Band 0,5 von bisher 5 Bänden
Preis: 15,00€
ISBN: 978-3442267743
Verlag: Blavalet



Inhalt: Eddard Stark, der Herr von Winterfell, wird an den Hof seines Königs gerufen, um diesem als Berater und Vertrauter zur Seite zu stehen. Doch Intriganten, Meuchler und skrupellose Adlige scharen sich um den Thron, deren Einflüsterungen der schwache König nichts entgegenzusetzen hat. Während Eddard sich von mächtigen Feinden umringt sieht, steht sein Sohn, der zukünftige Herrscher des Nordens, einer uralten finsteren Macht gegenüber. Die Zukunft des Reiches hängt von den Herren von Winterfell ab!


Rezension: Auf die Buchreihe von George R. R. Martin bin ich durch die Videorezension von thereadables aufmerksam geworden und durch den Umstand, dass die Werke von HBO als Serie verfilmt worden und werden. Verfilmte Bücher und Buchreihen haben irgendwie eine magische Anziehungskraft auf mich. George R. R. Martin hat es mir mit dem ersten Teil seines Epos nicht leicht gemacht. Ich hatte bereits im November versucht es zu lesen, habe damals allerdings schon nach 30 Seiten aufgegeben, weil mich das Buch irgendwie überforderte und ich mich nicht richtig auf es konzentrieren konnte. Jetzt wollte ich dem Buch eine zweite Chance geben und die hat sich wirklich gelohnt.

Es ist mir ziemlich schwer gefallen in das Buch einzusteigen und die Welt von Martin zu begreifen, da zu Beginn natürlich alle Charaktere, und dass sind unendliche viele, eingeführt werden und die konstruierte Welt erklärt werden muss. Nach ca. 150 Seiten war ich dann endlich im Buch angekommen und die Seiten ließen sich zügiger lesen. Die Sätze waren oftmals sehr lang und verschachtelt, sodass ich mich mehr als sonst auf das geschriebene Wort konzentrieren musste. Dies variiert allerdings auch von Charakter zu Charakter.
Besonders an Martins Epos ist, dass er aus sehr vielen verschiedenen Perspektiven geschrieben ist. Im ersten Buch gibt es neun verschiedenen Charaktere, nicht nur Erwachsene sondern auch Kinder und dementsprechen viele verschiedene Handlungsstränge. In diesem ersten Buch wird der Fokus besonders auf die Familie Stark gelegt, die sich mit der Berufung des Vaters, Eddard Stark, zur rechten Hand des Königs, völlig neu ordnen muss. Fasziniert hat mich, wie Martin es schafft, seinen Schreibstil dem Alter und Charakter seiner Protagonisten anzupassen. So hat der Leser die Chance, die Protagonisten aus mehreren Dimensionen kennen zulernen und ihr Handeln zu beurteilen. Nehmen wir den Charakter Eddard Stark, so lernen wir ihn aus der Perspektive seiner Frau, seiner Kinder, seines Feindes und schließlich seiner eigenen Perspektive kennen.

Hinten im Buch gibt es ein Verzeichnis, indem alle bedeutenen Häuser des Königreiches, ihre Mitglieder und ihre Verhältnisse zueinander erklärt werden. Ohne dieses Verzeichnis, indem auch ein Teil der Geschichte des Königlandes erzählt wird, wäre ich ziemlich verloren gewesen, denn ich habe oft nachschauen müssen, um für mich zu klären, von wem Martin gerade schreibt und wie diese Person zum Protagonisten steht. Zum Ende des Buch musste ich dann auch immer weniger nachschlagen.

Sehr gelungen finde ich auch die Covergestaltung der Reihe: jeweils zwei Bücher zeigen eines der Wappen bedeutender Häuser des Königlandes. In Deutschland wurden die englischen Bücher in jeweils zwei Bände aufgeteilt. Das Cover des ersten Bandes zeigt das Wappen des Hauses Stark, das im ersten Band den größten Teil der Geschichte einnimmt.

Fazit: Das Lied von Eis und Feuer hat mich, obwohl mir die Geschichte es nicht ganz leicht gemacht hat, ziemlich beeindruckt. Das Buch ist düster und die Stimmung oft drückend und kalt. Macht ist der vorherrschende Grund, der vor allem die erwachsenen Charaktere zu ihrem Handeln antreibt, aber auch Hass, Tod und das schnelle Erwachsenen werden müssen sind Schlüsselthemen, alles verpackt hinter einer gewaltigen Kulisse und einem Gesellschaftsgefüge, das über allem zu stehen scheint. Durch die vielen Charaktere und Handlungsstränge hat der Leser die Chance, die Geschichte aus vielen verschienden Perspektiven zu beobachten und zu bewerten. Meine Lieblingscharaktere bisher sind übrigens Arya und Daenerys. Ich werde definitiv weiter lesen, allein schon um zu sehen, wie die beiden sich entwickeln.



Der amerikanische Sender HBO hat bereits 2007 nach dem Erwerb der Filmrechte der Bücher, begonnen eine Serie zu entwickeln. Im April 2011 wurde diese dann in den USA ausgestrahlt. Eine Staffel umfasst jeweils 10 Folgen, die Handlung der Staffeln orientiert sich den Büchern, d.h. in Staffel eins wird der erste Band behandelt usw. Mittlerweile wurden in den USA zwei Staffeln gezeigt und eine dritte ist bereits bestellt. Ich habe die Serie noch nicht gesehen, werde es aber ganz bestimmt bald tun. Hat jemand von euch sie schon gesehen?



Dienstag, 15. Mai 2012

[Rezension] Von der Nacht verzaubert - Amy Plum

Inhalt: Als Kate Merciers Eltern bei einem tragischen Unfall sterben, zieht sie zusammen mit ihrer Schwester Georgia zu den Großeltern nach Paris. Jede versucht auf ihre eigene Weise, ihr altes Leben und ihre schmerzvollen Erinnerungen hinter sich zu lassen. Während Georgia sich in das Nachtleben stürzt, sucht Kate Zuflucht in ihren Büchern bis sie eines Tages Vincent trifft, der es schafft, ihren Schutzpanzer zu durchbrechen. Bei Spaziergängen entlang der Seine und durch die spätsommerlichen Gassen von Paris beginnt Kate, sich in ihn zu verlieben nur um kurze Zeit später zu erfahren, dass Vincent ein Revenant ist. Die Liebe der beiden steht unter einem schlechten Stern: Vincent und seine Freunde sind in einen jahrhundertealten Kampf gegen eine Gruppe rachsüchtiger Revenants verstrickt. Schnell begreift Kate, dass ihr Leben niemals wieder sicher sein wird, wenn sie ihrem Herzen folgt.

AUTOR Amy Plum | ORIGINALTITEL Before I die | GENRE YA | SEITEN 396 | FORMAT Gebunden | ERSCHEINUNGSJAHR 2012
Rezension: Hinter dem wundervoll gestalteten Cover versteckt sich die Welt von Kate und Vincent. Nachdem Tod ihrer Eltern zieht Kate gemeinsam mit ihrer Schwester Georgia zu ihren Großeltern nach Paris. Beiden Mädchen versuchen so gut es geht mit diesem schrecklichen Ereignis umzugehen. Während Georgia sich in das Nachtleben von Paris stürzt, zieht Kate sich mehr und mehr zurück, ist für sich alleine und liest. Wenn sie sich nicht Zuhause in die Welt ihrer Bücher flieht, dann tut Kate es in ihrem Lieblingscafé, dort lernt sie dann den mysteriösen Vincent kennen und verliebt sich in ihn. Vincent ist kein gewöhnlicher Jugendlicher, Vincent ist ein Revenant, ein Untoter, der dafür lebt anderen Menschen das Leben zu retten - immer und immer wieder ... 

Mit dieser Tatsache konfrontiert beschließt Kate sich von Vincent zu trennen, um weiterem Schmerz aus dem Weg zu gehen, den Verlust ihrer Eltern immer vor Augen. Kate ist kein Mädchen, wie wir sie aus vielen Jugendromanen kennen. Sie lässt sich nicht nur von ihren Gefühlen leiten sondern reflektiert ihr Handeln und stellt Fragen. Sie ist verletzlich und zeigt dies auch. Vincent hingegen ist mir etwas zu farblos geblieben. Er hat eine besondere von Hass und Schmerz geprägte Vergangenheit, die leider nur an einigen Stellen kurz durchschimmert. Ich erhoffe mir in den nächsten zwei Teilen noch mehr über seine Geschichte, seine Vergangenheit erfahren zu können. So war er einfach nur der Traumtyp in den Kate sich verliebte und perfekt zu ihr passen schien. Jules hingegen, ein weiterer Revenant und Freund von Vincent hat mir besser gefallen, er ist witzig, charmant und viel offener als Vincent. Die Beschreibung von Vincent war mir an vielen Stellen einfach viel zu kitschig, was mir beim Lesen gar nicht aufgefallen war und erst richtig deutlich wurde, als eine Freunde eine Passage laut vorlas.

Die Geschichte spielt in Paris, dessen tolle Atmosphäre Amy Plum gekonnt ihr ihren Roman einbettet und das Cover wunderbar wiederspiegelt. Auf den Spaziergängen die Vincent gemeinsam mit Kate unternahm habe ich mir sehr wohlgefühlt. Der Schreibstil der Autorin ist flüssig und leicht zu lesen. Die Grundidee der Revenants ist gut ausgearbeitet, interessant und für mich auch noch nicht dagewesen. Allerdings hätte ich mir an manchen Stellen gewünscht noch etws mehr über die Charaktäre, ihre Vergangenheit und ihre Bestimmung zu erfahren, da stand die Liebesgeschichte zwischen Vincent und Kate doch mehr im Mittelpunkt des Geschehens.Die Geschichte ist in mehrere Teile aufgeteilt, das Kennenlernen Vincents, die Einführung der Revenants  und dem abschließenden Kampf von Gute und Böse. Leider fand ich das Ende etwas sehr vorhersehbar, auch wenn mir ein paar Details schon überraschen konnten.


Fazit: Von der Nacht verzaubert ist ein gelungener Romantasy-Roman mit einer neuen Idee vor der wunderschönen Atmosphäre Paris, der sicher an einigen Stellen sehr kitschig ist und ein wenig zu viel Wert auf die Liebesgeschichte zwischen den Protagonisten legt. Für die weiteren Teile wünsche ich mir ein wenig mehr von der dunklen Seite Vincents, etwas mehr Georgia und viel mehr Jules ;-)





Donnerstag, 3. Mai 2012

[Rezension] Saeculum - Ursula Poznanski

Inhalt: Fünf Tage im tiefsten Wald, die nächste Ortschaft kilometerweit entfernt, leben wie im Mittelalter ohne Strom, ohne Handy, normalerweise wäre das nichts für Bastian. Dass er dennoch mitmacht bei dieser Reise in die Vergangenheit, liegt einzig und allein an Sandra. Als kurz vor der Abfahrt das Geheimnis um den Spielort gelüftet wird, fällt ein erster Schatten auf das Unternehmen: Das abgelegene Waldstück, in dem das Abenteuer stattfindet, soll verflucht sein. Was zunächst niemand ernst nimmt, scheint sich jedoch zu bewahrheiten, denn aus dem harmlosen Live-Rollenspiel wird plötzlich ein tödlicher Wettlauf gegen die Zeit.

AUTOR Ursula Poznanski | GENRE Jugendthriller | MINUTEN 360 FORMAT Hörbuch | ERSCHEINUNGSJAHR 2011  |  
SPRECHER Aleksandar Radenkovic´
Rezension: Bis zu dem Zeitpunkt als Bastian Sandra kennenlernt, hat er noch nichts von Liverollenspielen gehört. Sandra ist Mitglied der kleinen Rollenspielgruppe Saeculum (lat. für Jahrhundert), die mit Vorliebe in die Zeit des 14. Jahrhunderts eintauchen und dabei auf alle Gegenstände verzichten, die es in der damaligen Zeit noch nicht gegeben hat. Sandra überredet Bastian an ihrer nächsten Konvention teilzunehmen und so verwandelt sich der Medizinstudent Bastian in den jungen Medicus Thomen Sehnenschneider.

Als die Gruppe kurz vor der Abreise erfährt, dass es an einen Ort gehen soll, auf dem ein alter Fluch liegt, kommt die erste Unruhe in die Gruppe. Sollte es wirklich etwas Wahres an dem Fluch geben?
Bevor ich mit dem Hören begonnen haben, waren mir LARPs nur aus Erzählungen bekannt, wie genau so einen Konvention genau beläuft wusste ich aber nicht. Es hat mir gut gefallen, wie Ursula Poznanski es schafft, Bastian und mir dem Leser/Hörer diese neue Welt schmackhaft zu machen. So erfahren wir vor dem Beginn mehr über den Ablauf und Strategien im Spiel. Als es dann das erste Mal Nacht wird, wird es auch das erste Mal richtig gruselig. Es scheint so als würde sich das Fluch bewahrheiten, Gegenstände und sogar ein Gruppenmitglied verschwinden. Die Gruppenmitglieder sind geschickt ausgewählt, denn ihre Charakterzüge und Verhaltensweisen führen immer wieder dazu, dass die Gruppe mehr und mehr an die Echtheit des Fluches zu glauben beginnt und sich gegenseitig anstachelt. So gibt es z.B. die abergläubische Doro, die die Gruppe in jeder erdenklichen Situation an den Fluch erinnert, der gerade dabei sei sich zu bewahrheiten. So entwickelt sich eine einseitige von Angst bestimmte Denkweisen, die zum Ende des Buches zu einer sehr gefährlichen Situation führt.

Neben der Haupthandlung, dem Rollenspiel, gibt es noch weitere Geschichten, die sich um die Vergangenheit und das Leben der Saeculum-Mitglieder spinnen und sich je weiter die Handlung fortschreitet, mehr und mehr mit dieser verflechten. Jeder der Spieler hat ein Geheimnis, das Poznanski passend zur Handlung platziert.
Die Geschichte wird abwechselnd von einem allwissenden Erzähler, sowie den beiden Protagonisten Bastian und Iris, einer Rollenspielerin, erzählt. Bastian ist ein rationaler Typ, der sich genau wie Iris, als einziges Gruppenmitglied, nicht von der gruseligen Stimmung und dem Aberglauben gefangen nehmen lässt sondern versucht der Situation realistisch gegenüber zu treten. Im Gegensatz zu den anderen beginnen die beiden die Geschehnisse zu hinterfragen und entdecken Ungereimtheiten.
Ursula Poznanski schafft es eine düstere, ängstliche und angespannte Stimmung, die Sprecher Aleksandra Radenkovic sehr gut vermittelt. Bis kurz vor dem Ende war mir nicht klar, worauf die Geschichte hinauslaufen würde. Ich hatte mit vielen gerechnet aber nicht mit diesem Ende. Poznanski schafft es alle offenen Erzählstränge zu schließen und miteinander zu verknüpfen, sodass die Handlung eine komplexe Einheit ergibt. Was mir allerdings nicht gefallen hat ist, wie Bastian mit der Situation umgegangen ist. Es hat mich geärgert, dass der scheinbar so vernünftige Typ, die Geschehnisse einfach so verzeiht und das nach einer wirklich kurzen Zeit. Ich kann hier ohne zu spoilern leider nicht auf Einzelheiten eingehen, aber das Ende war für mich nicht zufriedenstellend. Trotzdem hat mir dieser Thriller, der eigentlich so gar nicht mein Genre ist, überraschend gut gefallen.

Fazit: Ursula Poznanski schafft es gekonnt mit den Ängsten ihrer Romanfiguren zu spielen und diese wie Marionetten tanzen zu lassen. Der Plot war für mich etwas vollkommen Neues und sehr Interessantes und es hat mir gefallen mich auf diese mir unbekannte Welt einzulassen. Die Handlung war vielschichtig und man hatte das Gefühl, dass jedes Detail genau durchdacht worden war. Bis auf das Ende hat mich Saeculum vollkommen überzeugt, sodass ich Erebos, Poznanskis zweiten Jugendthriller bereits auf meine Wunschliste gesetzt habe.



Montag, 26. März 2012

[Rezension] Die Auswahl - Ally Condie

Inhalt: Stell dir vor, du lebst in einer Welt, die ein absolut sicheres Leben garantiert. Doch dafür musst du dich den Gesetzen des Systems beugen: den Menschen lieben, der für dich bestimmt wird. Was würdest du tun? Für die wahre Liebe dein Leben riskieren? Für die 17-jährige Cassia ist heute der wichtigste Tag ihres Leben: Sie erfährt, wen sie mit 21 heiraten wird. Doch das Ergebnis überrascht alle: Xander, Cassias bester Freund, ist als ihr Partner vom System ausgewählt worden. Als jedoch, offenbar wegen eines technischen Defekts, das Bild eines anderen Jungen auf dem feierlich überreichten Microchip auftaucht, wird Cassia misstrauisch. Kann das System wirklich entscheiden, wen sie lieben soll?

AUTOR Ally Condie | ORIGINALTITEL Matched  |  GENRE YA | MINUTEN 370 FORMAT Hörbuch | ERSCHEINUNGSJAHR 2011
Rezension: "Die Auswahl" ist ein wenig anders als die Dystopien, die ich vorher gelesen habe. In der Welt in der Cassia lebt scheint eigentlich alles in Ordnung zu sein. Es gibt zwar "die Gesellschaft", die über den Menschen steht und ihnen diktiert, wie sie zu leben und wann sie zu sterben haben, aber es scheint so als hätten sich die Menschen damit arrangiert. Cassia und ihre Familie gehören dazu und wehren sich nicht, sie scheinen ihr Leben so zu akzeptieren wie es ist. Doch Cassia beginnt an ihrer Einstellung zu zweifeln, als ihr Großvater stirbt und sie kurz darauf auf Ky trifft, eine Aberration, mit dem sie niemals zusammen sein darf und sich schon gar nicht in ihn verlieben sollte - trotzdem tut sie es. 
Die Auswahl ist viel leiser und weniger unruhig als beispielsweise "Panem" oder "Dark Canopy". Cassia, Xander und Ky machen kleine Schritte. Schon allein die Tatsache Geheimnisse zu haben ist sehr gefährlich und deshalb kann und muss "die Auswahl" auch nicht laut sein. Der Widerstand beginnt in den Köpfen, bevor es zu einer Handlung kommen kann. "Geh nicht gelassen!", bilde dir deine eigene Meinung, erlaube dir Dinge zu hinterfragen und dir eine eigene Meinung zu bilden.
Josefine Preuß liest anders als ich es erwartet hatte. Anfangs habe ich ihre Stimme kaum wiedererkannt, sie schien viel ruhiger als sonst. Nachdem ich mich an ihre Stimme gewöhnt hatte, hat mir besonders ihre Eindringlichkeit gefallen. Cassias Zerrissenheit zwischen Xander, Ky und der Gesellschaft wird sehr glaubhaft und mit Nachdruck dargestellt. 
Besonders gut gefallen haben mir die kleinen Details, die Frau Condie eingebaut hat, da sie das gesteuerte Leben "der Gesellschaft" noch realistischer machen. So können die Bewohner von Oria z.B. gar nicht richtig schreiben, weil sie nur Computer benutzen und es keine Stifte gibt. Außerdem gibt es Artefakte aus der Vergangenheit und  jeder Mensch darf eines besitzen. Cassia besitzt eine Puderdose, ihr Bruder eine Uhr. Viel mehr persönliche Dinge dürfen die Menschen nicht haben. Außerdem herrscht sowie überwiegend Tristesse, obwohl es weder Krankheiten noch Arbeitslosigkeit o.ä. gibt - die Menschen haben lediglich Zugang zu 100 Gedichten, 100 Liedern, 100 Bildern, alles andere wurde vernichtet. Ich mag mir gar nicht vorstellen wie es beispielsweise wäre nur 100 Bücher in meinem Leben lesen zu können, die mir dann auch noch vorgeschrieben würden. 
Auch wenn ich viele enttäuschte Rezensionen über den zweiten Band der Trilogie gelesen haben, möchte ich mir trotzdem meine eigene Meinung bilden und wissen wie es weitergeht. "Die Flucht" wird also früher oder später von mir gelesen oder gehört. (Momentan hat meine Bücherei das Hörbuch noch nicht im Bestand, aber ich bin guter Hoffnung, dass sie es im Laufe des Jahres haben wird.)


Fazit: Die Auswahl ging mir trotz ihrer leisen Töne tief unter die Haut.  Cassia, Xander und Ky sind mir ans Herz gewachsen und ich möchte unbedingt wissen wie es mit ihnen weitergeht. Schaffen sie es ein selbstbestimmtes Leben in einer fremdbestimmten Welt zu führen? Besonders erschreckend finde ich, wie viele Vorstufen zur beschriebenen Welt sich schon heute in unserer Gesellschaft wiederfinden. 





Teil 2